Ökumenischer Kirchentag in München 2010

Die Idee bestand darin, während des gesamten Kirchentages den kompletten Zyklus von vier täglichen Gebetszeiten durchzuführen und dabei die versöhnte Verschiedenheit der Konfessionen erlebbar zu machen. Als Ort für dieses Experiment fand sich die barocke, von Cosmas Damian Asam ausgemalte Dreifaltigkeitskirche (Pacellistraße 7). Unter dem in der Kuppel dargestellten „immerwährenden Lobpreis Gottes durch die Scharen er Engel“ (vgl. die lat. Aufschrift laus perennis) konnten wir den irdischen Part genau dieses Geschehens übernehmen. Ein passenderer Rahmen hätte sich kaum denken lassen. Auch mit ihrem Fassungsvermögen von max. 100-120 Personen war die Kirche gut bemessen. Mit 30 oder 40 Personen fühlte man sich nicht verloren, und beim größten Andrang mussten nur wenig stehen.

In den Gottesdiensten zeigten wir einerseits konfessionelles Profil, indem wir z. B. morgens um 8 Uhr der lutherischen Form und abends um 18 Uhr der katholischen Form folgten. Darin wurden sowohl die Eigenarten als auch das gemeinsame Erbe katholischer und evangelischer Tagzeiten deutlich: Wer in der einen Konfession in das Stundengebet eingewöhnt ist, ist trotz mancher Unterschiede auch im Stundengebet der anderen Konfession spirituell beheimatet. Auf der anderen Seite sollten aber auch die Gestaltungsspielräume innerhalb jeder Konfession in Richtung der gemeinsamen neuen Herausforderungen gezielt genutzt und die aktuelle ökumenische Konvergenz in vielen Einzelfragen der Gestaltung sichtbar werden. So folgten wir um 13 Uhr der an Taizé orientierten Form des Mittagsgebets, das die Schwestern in der Dreifaltigkeitskirche seit 16 Jahren täglich beten. Für das Gebet zur Nacht erstellten wir einer neuen Form mit Elementen aus der evangelischen, der katholischen und der orthodoxen Tradition.

Die Aufnahme des Projekts in die sog. Gottesdienstwerkstatt verankerte das Projekt an prominenter Stelle im Gefüge des Kirchentags als ein Modell, das einem besonderen Evaluationsverfahren unterliegt und anderen Gemeinden und Initiativen zur Nachahmung vorgestellt wird.

Neben Oberkirchenrätin Christine Jahn vom Amt der VELKD, Hannover, Dr. Irene Mildenberger vom Liturgiewissenschaftlichen Institut der VELKD, Leipzig, PD Dr. Achim Budde von der Bildungsstätte Burg Rothenfels, Prof. Matthias Kreuels vom DLI Trier und Dr. Johannes Uphus, Chefredakteur der Monatsschrift Magnificat, beteiligten sich aus München die katholischen Schwestern der Gemeinschaft vom Heiligen Kreuz an der Dreifaltigkeitskirche selbst und die evangelischen Schwestern der Christusbruderschaft, Stadtkonvent München, an dem Projekt.