Partizipation
Dieser Begriff passt im Rückblick sehr gut als Überschrift für die vielfältigen Erfahrungen auf der Jahrestagung der Initiative Ökumenisches Stundengebet vom 9.-12. Oktober 2026.
Das diesjährige Thema „Kirche als Gemeinde erleben – Kleine Gottesdienstformen miteinander kennenlernen und erproben“ hatte auch Neue, d.h. zum ersten Mal auf der Burg Teilnehmende, interessiert. Das jährliche 3-tägige Treffen als eine lebendige Zeit des miteinander Lernens und Feierns begann mit dem Abendlob „Ökumene“ in der Kapelle.
Stundengebet
Die Tagzeitenliturgie zeichnet in sich ja eine recht intensive Partizipation aus. Es gibt unterschiedliche Rollen und alle Mitfeiernden sind durch das gemeinsame Singen beteiligt. Matthias Kreuels wies dazu in seinen Impulsen auf die unterstützende Rolle der Begleitung hin, und konnte so viele auch für ihren Dienst inspirieren
Blick auf liturgische Bildung
Herr Melzl vom Gottesdienstinstitut der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern begann mit Schwerpunkten der praktischen Theologie in unserem Kulturraum in den letzten Jahrzehnten. Für einige, die in den Kirchen arbeiten, war es wie ein Schnelldurchlauf durch wichtige Erfahrungen der eigenen Biographie.
- Homeletik (Wort Gottes Theologie)
- Religionspädagogik (Bildungsreform)
- Seelsorge (Blick nach innen)
- Gemeindeaufbau (Was wird aus der Kirche?)
- Liturgik (Interesse an der institutionellen Kirche)

Jede dieser Schwerpunkte kennt eigene Gottesdienstformate.
Er zeigte uns dann Antwortversuche auf die Frage:
Wer trägt die liturgische Arbeit in der Kirche?
Das Gottesdienstinstitut hat dazu einige Materialien entwickelt, um Menschen zu qualifizieren.
Blick in die Weltkirche
Herr Abel, katholischer Theologe der Uni Freiburg, zeigte uns dann, wie aktuelle Herausforderungen unserer Kultur, z.B. die Säkularisierung, gottesdienstliches Handeln verändern. Er zitierte u.a. Beobachtungen von Hartmut Rosa zur veränderten Zeitwahrnehmung, die Gemeinschaftserfahrungen erschweren. Für die Frage, wie Kirche vor Ort erlebbar wird oder bleiben kann, lenkte er den Blick auf die Weltkirche und Formen, die im Anschluss an das 2. Vatikanische Konzil dort entstanden. Als AsIPA, der Asiatische Integrale Pastorale Ansatz, ist diese Ausrichtung in den asiatischen Bistümern, also einer Gegend, in der Christen meist in der Minderheit sind, die Option.
In dieser Weise Kirche zu sein ist Liturgie vor Ort
- Sache aller
- an vielen Orten plural
- beachtet Lebensrealität.
Ab den 80er Jahren waren diese Impulse auch in der katholische Kirche in Deutschland präsent. Sie haben aber keine passende Form gefunden, kirchliches Leben nachhaltiger zu prägen. Inkulturation geht ja über das Übernehmen einer Methode deutlich hinaus.
Blick auf konkrete Praxis
Herr Gorka stellte in humorvoller Weise einen existierenden Zugang der hannoverschen Landeskirche vor, der Menschen motiviert, die ihnen zugänglichen Kirchen für kurze spirituelle Angebote kreativ zu nutzen. 12 praktische Impulse helfen nach seiner Erfahrung, Sakralräume mit überschaubarem Aufwand zu beleben.
Partizipationserfahrungen auf der Tagung
Ein Highlight für viele war der Sonntagabend mit einer ImproTheater – Gruppe, die sich sehr gut auf die im Raum stehenden Fragen einließ. Sie hielt uns so über eine Weise von Partizipation einen Spiegel zu Themen vor, die wir miteinander bewegten. Gerade im Umfeld von Transformation hat Kreativität großes Potential.
Die Kapelle der Burg ist ja ein besonderer Gottesdienstraum.
Was bedeutet Partizipation für so einen Raum?
Die Tagungsgruppe konnte miteinander erleben, dass die Suche nach einer guten Sitzordnung während der Gottesdienste eine Form entstehen ließ, die in mehrfacher Weise eine „runde“ Sache war.
Ergebnissicherung
Herr Dalitz, der sich als Theologe und Mitglied des Burgrates mit einer Fortentwicklung der Gottesdienstkultur der Burg beschäftigt, erschloss uns am letzten Tag Partizipation noch etwas grundsätzlicher. Seine Fragen werden viele der Initiativen, die durch Tagungsteilnehmende präsent waren, noch beschäftigen:
- Dürfen Neue unsere Vorstellungen verändern?
- Wer entscheidet über welche Unterstützung?
- Wer darf etwas ablehnen?
HG Unckell
Teil des Tagungsteams
